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Cell Mind und suena energy: Vermarktung von Graustrom Co-Located Speicher unter FCA

vor 4 Tagen
5 Min. Lesezeit

Der Netzanschluss ist inzwischen der knappste Faktor im Speicherhochlauf. Anschlussbegehren übersteigen in vielen Verteilnetzen die verfügbare Kapazität deutlich, Zusagen verschieben sich und der Netzausbau folgt damit der Projektentwicklung nur langsam. Genau deshalb rücken Konzepte in den Fokus, die vorhandene Anschlusskapazität besser ausnutzen.


Graustrom Co-Located Speicher gehören dazu. Sie teilen sich einen Netzverknüpfungspunkt mit einer bestehenden Erzeugungsanlage, dürfen aber – anders als Grünstromspeicher – sowohl aus dem Netz laden als auch ins Netz einspeisen. Für die Vermarktung ist das ein entscheidender Unterschied: Die Ladefahrweise ist nicht an die Erzeugung der kombinierten Anlage gebunden, die Zahl der wirtschaftlich nutzbaren Zyklen steigt, und der Speicher kann an allen Märkten teilnehmen – von Großhandels- über Regelenergiemärkte hinweg.


In Nägeleried vermarktet suena energy ein solches Projekt für den Betreiber Cell Mind. Doch neben der Projektkonfiguration weist diese Anlage eine besondere Herausforderung für den operativen Beitrieb auf, denn der Netzbetreiber vergibt in diesem Gebiet nur Netzanschlüsse unter der Vorgabe einer flexiblen Netzanschlussvereinbarung (eng. Flexible Connection Agreement, kurz: FCA).


Projektübersicht: Graustrom Co-Located Speicher Nägeleried

Der Speicher ergänzt am Standort Nägeleried eine PV-Anlage mit 5,7 MWp, die suena energy seit 2025 vermarktet. Das Batteriespeichersystem mit 6,9 MW Leistung und 13,8 MWh Kapazität ist seit 2026 in der Vermarktung. Beide Anlagen speisen über denselben Netzverknüpfungspunkt ein.


Projekt Nägeleried

Batteriespeicher in Kombination mit Solar
Projekt Nägeleried (© Cell Mind GmbH)

  • Kunde: Cell Mind GmbH

  • Anlage: bestehende PV-Anlage mit Batteriespeicher am gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt

  • PV-Leistung: 5,7 MWp

  • Batteriespeicher: 6,9 MW / 13,8 MWh

  • Vermarktung: Großhandels- und Regelenergiemärkte

  • Netzanschluss: flexible Netzanschlussvereinbarung mit AllgäuNetz, dynamische Leistungsbegrenzung über API

  • Technologie: suena Energy Trading Autopilot

 


Die operative Besonderheit: dynamische Leistungsbegrenzung über API

Der Netzbetreiber AllgäuNetz stellt seit 2025 Netzanschlüsse für Batteriespeicher nur unter der Bedingung einer flexiblen Netzanschlussvereinbarung zur Verfügung. Für den Betrieb einer Anlage bedeutet das: kein fester voller Netzzugang, sondern die Verpflichtung, Einspeisung und Entnahme zeitweise zu reduzieren, wenn es die lokale Netzsituation erfordert.


Für die technische Umsetzung dieser Vorgabe hat der Netzbetreiber einen besonders innovativen Weg gewählt und stellt eine API zur Verfügung – also eine Schnittstelle, die es verschiedenen Softwaresystemen ermöglicht, direkt Daten auszutauschen. Netzbetreiber und Vermarkter kommunizieren so unmittelbar und die zulässige Leistung am Netzverknüpfungspunkt lässt sich dementsprechend automatisiert anpassen.


Im Fall Nägeleried handelt es sich nicht um eine pauschal festgelegte niedrigere Anschlussleistung, sondern um eine dynamische Variante. Das heißt, dass die Einschränkung nicht über Einspeise- oder Lastprofile festgelegt wird, sondern nur dann greift, wenn die Netzleitstelle einen tatsächlichen Engpass prognostiziert. Über die API kommuniziert der Netzbetreiber demnach am jeweiligen Vortag die Maximalwertvorgaben, die dann für den nächsten Tag in der Handelsstrategie zu berücksichtigen sind – gibt er keine Beschränkung vor, steht die Leistung am Netzverknüpfungspunkt in ihrer Gesamtheit zur Verfügung.


Mit dem Batteriespeicher in Nägeleried haben wir ein weiteres Co-Location Projekt realisiert, das künftig dazu beiträgt, erneuerbare Energien besser in das Energiesystem zu integrieren und das Stromsystem zu stabilisieren. Ein Projekt in dieser Größenordnung gelingt natürlich nicht allein, dafür braucht es starke, kompetente und zukunftsgerichtete Partner. Denn ein Batteriespeicher kann sein Potenzial nur dann voll ausschöpfen, wenn alle Komponenten, also Anlage, Energiemanagement und Vermarktung, intelligent miteinander verknüpft sind. Eine zentrale Rolle spielt dabei die API als digitale Schnittstelle zwischen der AllgäuNetz GmbH & Co. KG als Netzbetreiber und suena energy als Energievermarkter. Mit suena energy hatten wir von Beginn an einen verlässlichen Vermarktungspartner an unserer Seite, der genau diese technische Verbindung sichergestellt hat. Dass wir diese Anbindung gemeinsam erfolgreich umgesetzt haben, ist ein wichtiger Meilenstein für die Energiewende im Allgäu und für eine zunehmende flexible Energieinfrastruktur über die Region hinaus – Roger Köhler, CEO Cell Mind GmbH

 

Was zur Umsetzung der FCA entwickelt werden musste

Eine dynamische Leistungsbegrenzung ist nur so gut wie ihre Anbindung an die Handelssysteme. Denn jede neue Vorgabe, die per API eintrifft, muss automatisiert in die Fahrplanerstellung einfließen. Auf Seiten von suena energy entstand dafür zusätzlicher Entwicklungsaufwand, um die Schnittstelle an den suena Energy Trading Autopilot anzudocken, sodass die Netzbetreibervorgaben in der Optimierung und in der Vermarktung verlässlich abgebildet werden. Umgesetzt wurde das gemeinsam mit Energiekoppler, deren Plattform die technische Anlagenanbindung und Steuerung übernimmt.


Nägeleried war für uns das erste Projekt, bei dem wir konkret mit einer vollständig dynamischen FCA im operativen Betrieb zu tun hatten. Dadurch, dass der Netzbetreiber Beschränkungen mit deutlichem Vorlauf ankündigt, können wir unsere Handelsstrategie rechtzeitig darauf anpassen und unter diesen Gegebenheiten die maximalen Erlöse erzielen. Dieses Projektanforderung konnten wir vor allem deswegen so gut umsetzen, weil alle beteiligten Parteien – Energiekoppler, AllgäuNetz und Cell Mind – von Anfang an konstruktiv und transparent mit uns zusammengearbeitet haben – dadurch konnten wir viele neue Faktoren berücksichtigen und für künftige Projekte eine Menge mitnehmen. – Ida Ballmann, Energy Market Operations Manager suena energy

 

Der Netzanschluss wird zur Verhandlungssache

Was in Nägeleried im Kleinen sichtbar wird, ist Teil einer größeren Entwicklung: Seit 2025 erlaubt der Gesetzgeber in § 17 Abs. 2b EnWG (und § 8a EEG) ausdrücklich flexible Netzanschlussvereinbarungen. Der Grundgedanke: Eine Anlage bekommt schneller einen Anschluss und akzeptiert dafür, dass ihr nicht zu jeder Stunde die volle Anschlusskapazität zur Verfügung steht.


Was einfach klingt, ist in der Ausgestaltung offen. Netzbetreiber können FCAs anbieten, sind dazu aber nicht verpflichtet – die Bundesnetzagentur hat das in einem Beschluss vom März 2026 bestätigt.Einheitliche Vorgaben gibt es bislang nicht: Die Vereinbarungen entstehen bilateral, und die Vorstellungen darüber, wie weit Begrenzungen gehen, wie sie angekündigt und wie sie technisch umzusetzen sind, gehen zwischen den Netzgebieten weit auseinander. Leitlinien für FCAs will die Bundesnetzagentur erst ab 2027 im Rahmen der Netzentgeltreform AgNes erarbeiten.


Fazit

Das Projekt Nägeleried zeigt, dass Speicher auch unter Netzrestriktionen wirtschaftlich vermarktbar sind und im Einklang mit tatsächlich vorliegenden Engpässen optimiert werden können. Das ist ein wichtiger Befund, denn flexible Anschlüsse werden absehbar zur Regel und nicht zur Ausnahme.  


Batteriespeicher mit offener Tür
Batteriespeicher in Nägeleried (©Cell Mind GmbH)

Gleichzeitig macht das Projekt die Grenze des heutigen Vorgehens deutlich: Wenn jeder Netzbetreiber eigene Vorgaben zur Umsetzung von FCAs macht, wird der Implementierungsaufwand für Betreiber und Vermarkter schnell zu umfangreich. Dass die konkrete FCA-Ausgestaltung von Netzgebiet zu Netzgebiet variiert, hat dabei einen sachlichen Grund, denn die technischen Limits unterscheiden sich. Was sich davon unabhängig reduzieren lässt, ist der Implementierungsaufwand: durch verbindliche Leitplanken durch die BNetzA, innerhalb derer jeder Netzbetreiber seinen FCA weiterhin an die lokale Netzsituation anpasst, sowie durch eine im Kern einheitliche Kommunikationsschnittstelle zwischen Netzbetreiber und Vermarkter für den Austausch von Einspeiserestriktionen und vergleichbaren Vorgaben. So bleibt die Flexibilität vor Ort erhalten, während der Aufwand für Vermarkter über mehrere Netzgebiete hinweg deutlich sinkt.


Für Cell Mind und suena energy war Nägeleried dabei ein erster Schritt, auf dem sich nun aufbauen lässt. Für weitere gemeinsame Projekte, die bereits in Planung sind, liegen mit Nägeleried nun eine erprobte Vorlage und wertvolle Erfahrungswerte vor.

 

Über Cell Mind

Die Cell Mind GmbH ist ein auf Batteriespeicherprojekte spezialisiertes Projektierungsunternehmen aus dem Allgäu, das Projekte ganzheitlich, von der Standortanalyse und Netzanbindung über die Genehmigungsplanung bis hin zur Umsetzung und dem langfristigen Betrieb betreut. Mit intelligenten Batteriespeicherlösungen unterstütz Cell Mind die Integration erneuerbarer Energien, reduziert Netzengpässe und trägt zu einer sicheren und wirtschaftlichen Energieversorgung bei. Dabei arbeitet das Unternehmen eng mit Flächeneigentümer:innen, Kommunen, Industrieunternehmen, Energieerzeugern und Investor:innen zusammen.

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