Hitzeflaute am Strommarkt
- Amelie Heinz

- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Die Folgen des Klimawandels werden zunehmend auch für Menschen im Alltag spürbar: Die Temperaturen steigen und vor allem in den Sommermonaten wird es immer heißer.
Besonders gut zu beobachten ist das an den mittleren Tagesmitteltemperaturen im Sommer, laut Umweltbundesamt steigen diese nämlich immer weiter an. Im deutschlandweiten Mittel liegt der laufende Sommer bei rund 19,3 Grad Celsius (°C) und damit nur vier Zehntelgrad unter dem bisherigen Rekordwert von 19,7 °C aus dem Jahr 2003.
Diese Häufung heißer und meist dann auch sonnenreicher Wetterlagen hat jedoch nicht nur Folgen für Menschen und deren Gesundheit sowie die Umwelt. Sie verändert auch das Verhalten des Strommarkts, indem vermehrt sogenannte „Hitzeflauten“ auftreten.
Was ist eine Hitzeflaute?
Eine Hitzeflaute bezeichnet ein Phänomen am Strommarkt, das bei Wetterlagen auftritt, während derer hohe Temperaturen auf wenig Wind treffen. Durch die hohe Stromnachfrage bei gleichzeitig geringer Windstromerzeugung entsteht Druck auf den Strommarkt und die Preise steigen.
Ein typischer Tag, an dem eine solche Hitzeflaute auftritt, ist zugleich auch ein besonders sonnenreicher Tag: PV-Anlagen speisen daher zwischen 7 und 20 Uhr viel Strom ins Netz ein und die Strompreise werden über den Tag hinweg relativ gering gehalten.
Gleichzeitig gehen lange Hitze- und Trockenperioden meist mit langanhaltenden Hochdruckwetterlagen einher. Diese erschweren die Luftzirkulation, sodass kaum Wind aufkommt und Windanlagen entsprechend wenig Strom produzieren.
Die Kombination dieser beiden Gegebenheiten führen dazu, dass die Situation in den Abendstunden kritisch wird: Sobald die Solarproduktion gegen null geht, der Wind aber weiterhin ausbleibt und die Stromnachfrage hoch bleibt, müssen konventionelle Kraftwerke einspringen. Gas- und Kohlekraftwerke bestimmen dann den Strompreis und damit steigen die Preise.
Um dieses Phänomen zu veranschaulichen, lohnt sich ein Blick in die Kalenderwoche 26. Laut Energy Charts erreichte die Solarproduktion in dieser Woche ein extrem hohes Niveau, wohingegen die Produktion von Strom aus Windenergieanlagen kaum vorhanden war. Die untenstehende Abbildung zeigt die Preisentwicklung für den 24. Juni 2026 auf dem Day-Ahead-Markt.

Der Graph verhält sich exakt nach dem Muster wie es dem einer Hitzeflaute entspricht. Die Preise fallen mit Sonnenaufgang um kurz vor 7 Uhr und erreichen ihren Tiefpunkt um 12:45 Uhr bei 64 €/MWh. Über den ganzen Tag hinweg bleiben die Preise schließlich relativ gering, bis sie mit abnehmender Sonne und damit schwindender Solarproduktion schließlich rasant ansteigen. Gas- und Kohlekraftwerke springen ein und setzen den Preis, sodass der Strompreis seinen Höchstwert für diesen Tag um 20:45 Uhr bei 747 EUR/MWh erreicht.
Zum Vergleich: Der Durchschnittspreis für eine MWh am Day-Ahead-Markt lag im Juni bei 110 EUR. Damit liegt er Höchstpreis an diesem Tag 579 % über jenem Wert.
Wie bildet sich der Markt an diesen Tagen?
An heißen Tagen steigt die Stromnachfrage spürbar an, dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle.
Energieintensive Kühlsysteme laufen im Industriebereich auf Hochtouren: Vor allem Produktions- und Logistikprozesse benötigen bei hohen Außentemperaturen deutlich mehr Kühlung, etwa um Maschinen, Serverräume oder Kühlketten stabil zu halten. Außerdem finden sich vermehrt Klimaanlagen auch in Privathaushalten wieder. Die elektrische Infrastruktur wird insgesamt höher belastet.
Doch die Hitze wirkt sich auch auf die Erzeugerseite aus, denn konventionelle Kraftwerke arbeiten durch die höhere Belastung weniger effizient und werden teilweise in ihrer abrufbaren Leistung beschränkt. Ein aktuelles Beispiel betrifft den französischen Energiekonzern EDF, der im Sommer 2026 mehrere Kernreaktoren vorübergehend abgeschalten hat und weitere Anlagen drosseln musste, weil anhaltende Hitzewellen die Flusstemperaturen ansteigen ließen. Hintergrund hierfür waren gesetzliche Umweltauflagen: Steigen die Flusstemperaturen während Hitzewellen ohnehin an, müssen Betreiber die Leistung drosseln oder Anlagen abschalten, um die vorgeschriebenen Grenzwerte für die Einleittemperatur einzuhalten – die Kraftwerke dürfen ihr erwärmtes Kühlwasser dann nicht mehr uneingeschränkt in die ohnehin schon aufgeheizten Flüsse zurückleiten.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Fällt Erzeugungsleistung auf diese Weise weg, während die Nachfrage gleichzeitig hoch bleibt oder gar steigt, macht sich das unmittelbar in den Preisen bemerkbar und esteht eine sogenannte Hitzeflaute.
Fazit
Die aktuellen Preisspannen am Markt zeigen, dass es nicht an Strom fehlt, sondern an Flexibilität. Über den Tag hinweg wird so viel Solarstrom produziert, dass PV-Anlagen teilweise abgeregelt werden müssen, weil das Netz oder der Markt den erzeugten Strom nicht vollständig aufnehmen kann. Dieser Strom fehlt dann in den Abendstunden aber genau dann, wenn er gebraucht werden würde. Um diese Lücke zu schließen, müssen wiederum teure konventionelle Kraftwerke einspringen.
Eine sinnvolle Lösung dafür sind Batteriespeicher: Sie können überschüssigen Solarstrom über den Tag hinweg aufnehmen und ihn dann verfügbar machen, wenn er am dringendsten gebraucht wird.
Das Phänomen der Hitzeflaute zeigt damit, dass der Bedarf an Speicherkapazität real und wiederkehrend ist – und Batteriespeicher eine der wirksamsten Antworten sind, die schon heute verfügbar ist.
Quellen
Umweltbundesamt (30.03.2026): Trends der Lufttemperatur
Energy-Charts (o. D.): Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland in Woche 26 2026
Euronews (13.07.2026): Extreme Hitze: Frankreich schaltet mehrere Atomreaktoren ab



Kommentare