Trends 2026: Drei Entwicklungen, die die Batteriespeichervermarktung prägen werden
- Pia Armbruster

- vor 1 Tag
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2026 wird voraussichtlich weniger von einem einzelnen „Umbruch“ bestimmt, sondern von einer Reihe klar erkennbarer Verschiebungen, die sich in den letzten Monaten bereits aufgebaut haben. Batteriespeicher werden stärker in bestehende Infrastrukturen integriert, Netzanschlussbedingungen werden kleinteiliger und restriktiver, Erlöse bleiben attraktiv – allerdings zunehmend standort- und vertragsgetrieben. Gleichzeitig entstehen neue, potenziell stabilere Erlösbausteine über Systemdienstleistungen und netzbezogene Mechanismen.
Die folgenden drei Trends zeigen, worauf Projektierer, Betreiber, Investoren und Vermarkter 2026 besonders achten müssen und warum technische Auslegung allein nicht mehr ausreicht.
1) Co-Location statt Stand-Alone
Co-Location entwickelt sich in vielen Projekten vom Sonderfall zur Standardlösung. Der Haupttreiber ist pragmatisch: Wenn am Standort Netzanschlusskapazität, Flächen oder technische Infrastruktur bereits vorhanden sind, lässt sich zusätzliche Flexibilität oft effizienter realisieren als über einen vollständigen Stand-Alone-Anschluss. Co-Location ist damit nicht nur ein Optimierungshebel, sondern zunehmend eine Antwort auf reale Anschluss- und Genehmigungsbedingungen.
Besonders dynamisch ist die Entwicklung bei Grünstromspeichern. Hier ist ein deutlicher Projektanstieg zu beobachten – auch außerhalb von Innovationsausschreibungen – und für 2026 wird ein starker Zubau erwartet.
Darüber hinaus hilft das Co-Location-Konzept, Kannibalisierungseffekte zu reduzieren: Erzeugungsüberschüsse können zwischengespeichert werden, wodurch Vermarktungsprofile geglättet und Erlöse stabilisiert werden. Während sich dieser Trend aktuell vor allem im Solarbereich zeigt, gewinnt das Modell zunehmend auch bei Windprojekten an Bedeutung – hybride Standorte werden damit häufiger.
Konsequenz für die Vermarktung:
Im Vergleich zu anderen Konstellationen bringt eine Co-Location eigene Besonderheiten in der Vermarktung mit sich. Forecast-Unsicherheiten, die Priorisierung gegenüber der Erzeugung sowie variable Anschlussbedingungen (z. B. Rampen und Leistungsbeschränkungen) erhöhen die Komplexität deutlich. Diese Komplexität gehört nicht erst in den Betrieb, sondern in die Projektentwicklung – idealerweise bereits in Design, Vertragsgestaltung und die spätere Dispatch-Logik.
2) Flexible Netzanschlüsse: Mehr Optionen, aber oft weniger Freiheitsgrade
In den letzten Jahren hat die Debatte um flexiblere Netzanschlussbedingungen deutlich an Bedeutung gewonnen. Technisch ist der Ansatz plausibel: Wenn Anschlussnehmer ihre Einspeise- oder Bezugsleistung situativ anpassen, lassen sich vorhandene Netzkapazitäten besser auslasten und Engpässe gezielter managen.
In der praktischen Umsetzung bedeutet „Flexibilität“ jedoch häufig nicht mehr Spielraum, sondern eine neue Klasse von Anschlussauflagen. Typisch sind Vorgaben wie Leistungsbegrenzungen, Rampenraten oder betriebliche Einschränkungen in definierten Netz- oder Systemsituationen. Dadurch verändert sich die Bedeutung des Begriffs: Aus einer allgemeinen Option wird ein regelbasierter Betriebsrahmen, der den Anlagenbetrieb auf mehr Zustände verteilt und zusätzliche Ausnahmefälle erzeugt. Das erhöht die Komplexität – sowohl in der Planung (Auslegung, Erlösannahmen, Fahrpläne) als auch in der Betriebsführung (Dispatch, Monitoring, Compliance).
Vor diesem Hintergrund ist für 2026 eine stärkere Vereinheitlichung der Netzanschlussbedingungen zu erwarten. Einheitlichere Regeln bedeuten vor allem: höhere Vergleichbarkeit zwischen Projekten und bessere Planbarkeit der Erlöse und Risiken – und damit eine verlässlichere Grundlage für Projektentwicklung, Finanzierung und Betrieb.
3) Zusätzliche Erlösquellen: Systemdienste und netzbezogene Regeln werden wichtiger
Die marktbasierten Erlöse sind in den vergangenen Jahren hoch geblieben, und vieles spricht dafür, dass auch 2026 attraktive Erlöse zu erwarten sind. Neben den bereits bekannten, können aber auch zusätzliche Erlösquellen an Bedeutung gewinnen.
Ein Schwerpunkt liegt auf Momentanreserve und weiteren Systemdienstleistungen. Diese politisch angestoßenen Produkte sind besonders spannend, da sie langfristige Ausschreibungen mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren mit sich bringen könnten. Dynamische Netzentgelte wirken direkt in den Betrieb hinein: Sie verändern die Kosten des Ladens und Entladens und machen den Standort stärker zum wirtschaftlichen Faktor. Dadurch müssen neben Marktpreisen zusätzliche Kostensignale berücksichtigt werden. Für 2026 wird hier mehr Klarheit über die konkrete Ausgestaltung erwartet.
Entscheidend ist dabei: Zusätzliche Erlösquellen sind selten einfach „oben drauf“ zu setzen. Sie bringen eigene technische Anforderungen und Nachweisregeln mit und verändern damit die Anforderungen an Betrieb und Vermarktung.
Beispiele dafür sind:
Inertia: setzt eine verlässliche, konstante technische Verfügbarkeit voraus und lässt sich nur begrenzt kurzfristig optimieren.
Dynamische Netzentgelte: wirken kurzfristig und standortabhängig; sie erfordern eine schnelle Anpassung der Fahrweise und belastbare Informationen zum jeweiligen Netzgebiet.
Blindleistung: erfordert spezifische technische Fähigkeiten; wirtschaftlich ist sie derzeit häufig noch nachrangig.
Wer diese Anforderungen frühzeitig in Auslegung und Betriebskonzept integriert, reduziert spätere Anpassungskosten und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass zusätzliche Erlösquellen tatsächlich nutzbar werden.
Fazit: 2026 wird durch saubere Integration und gute Betriebsfähigkeit entschieden
2026 wird voraussichtlich nicht von einem einzelnen Ereignis geprägt, sondern von der Frage, wie gut Speicherprojekte mit ihren realen Rahmenbedingungen umgehen. Für Projektentwicklung und Betrieb folgt daraus vor allem eines: Wirtschaftlichkeit entsteht nicht erst im Handel, sondern bereits in Auslegung und Vertragsgestaltung. Wer Anschluss- und Vertragsvorgaben sowie die spätere Vermarktungslogik frühzeitig konsistent zusammenführt, schafft die Grundlage für einen stabilen und verlässlich betreibbaren Speicher.



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