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Herausforderung Grünstromspeicher

Die Innovationsausschreibungen nach Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) haben den Begriff „Grünstromspeicher“ in der Branche etabliert. Er steht sinnbildlich für Speicherprojekte, die nicht nur zusätzliche Erlöse generieren, sondern das Stromsystem netz- und systemdienlich unterstützen sollen. 

Solange ein Projekt einen Zuschlag in der Innovationsausschreibung erhält, verbessert die zusätzliche Förderung das Chancen-Risiko-Profil deutlich. Spannend wird es dort, wo ein Grünstromspeicher unabhängig von einem Zuschlag geplant oder umgesetzt wird. 


Was ist ein Grünstromspeicher? 

Ein Grünstromspeicher ist ein Batteriespeicher, der hinter derselben Einspeise-Marktlokation wie eine Erneuerbare-Energien-Anlage (EE-Anlage) angeschlossen ist und ausschließlich mit Strom aus dieser Anlage geladen werden darf.

Netzbezug ist ausgeschlossen. 


Grünstromspeicher
Batteriespeicher in Co-Location 

Diese enge Kopplung bringt Einschränkungen mit sich: 

  • Laden ist nur möglich, wenn die EE-Anlage produziert – die Zyklenzahl sinkt. 

  • Fehlender Zugang zu bestimmten Märkten, insbesondere zur Regelleistung (in diesem Fall Primärregelleistung) 


Im Kontext der Innovationsausschreibungen kann ein Grünstromspeicher gefördert werden. Die Förderung zielt laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) darauf ab, „besonders netz- oder systemdienliche technische Lösungen“ zu unterstützen. Gemeint sind vor allem Speicher in Kombination mit EE-Anlagen, die Netze entlasten, Lastspitzen glätten und das Stromsystem stabilisieren. 

Doch was passiert, wenn ein solcher Speicher ohne Innovationsausschreibung, also ohne zusätzliche EEG-Prämie für den Speicher selbst, realisiert wird? 


Die Referenz: Was leistet ein frei vermarkteter Speicher? 

Zur Einordnung dient ein Referenzfall aus dem Whitepaper „Co-Located-Speicherprojekte richtig vermarkten“ von suena energy: 

 

Ein frei vermarkteter Stand-Alone-Speicher („Graustromspeicher“) mit 30 MW Leistung und 60 MWh Kapazität ist an einem 30-MVA-Netzanschluss angebunden. Er kann flexibel laden und entladen, ist vollständig für mehrere Vermarktungssegmente geeignet und erzielt etwa zwei Vollzyklen pro Tag. Das simulationsbasierte jährliche Erlöspotenzial liegt bei rund 287 Tsd. Euro je MW und Jahr, rein aus dem Handel. 


Grünstromspeicher: Auf den ersten Blick im Nachteil 

Der Grünstromspeicher ist deutlich stärker eingeschränkt: Er darf nur aus der angebundenen EE-Anlage laden, ist im Markt weniger flexibel und erreicht im Mittel maximal etwa 1,5 Zyklen pro Tag. 

 

Die Simulationen im Whitepaper zeigen beispielsweise: 

  • Bei 100 % Überbauung (30 MW / 60 MWh) mit Photovoltaik (PV) erzielt der Grünstromspeicher 105 Tsd. Euro je MW und Jahr – das entspricht63,5 % wenigerals der Referenzspeicher. 

  • Bei 33 % Überbauung (10 MW / 20 MWh) mit PV liegen die Erlöse bei rund 140 Tsd. Euro je MW und Jahr und damit 52,2 % unter dem Referenzwert. 

 

Diese nüchterne Bilanz ist wichtig, aber sie ist nur der Ausgangspunkt. Die eigentlichen Chancen des Grünstromspeichers entstehen dort, wo Erzeugungsanlage, Speicher und Netzanschluss gemeinsam betrachtet werden. 

 

Chance 1:  Netzanschlüsse effizient nutzen 

Netzanschlüsse sind in vielen Regionen ein Engpass der Energiewende. Ihre effiziente Nutzung ist ein zentrales Ziel der Netzintegration erneuerbarer Energien.  

 

Grünstromspeicher in Co-Location mit bestehenden EE-Anlagen eröffnen hier eine klare Chance: 

  • Sie erhöhen die zeitliche Auslastung eines vorhandenen Netzverknüpfungspunkts. 

  • Durch gezielte Überbauung – die kombinierte installierte Leistung von Erzeugung und Speicher übersteigt die Anschlusskapazität – kann der Anschluss im Jahresverlauf näher an seiner technischen Grenze betrieben werden, während akzeptierte Abregelungen die Systemsicherheit sichern.  

 

So sinken die spezifischen Infrastrukturkosten je eingespeister kWh, und Projekte werden auch an Standorten möglich, an denen zusätzliche oder größere Netzanschlüsse nicht verfügbar oder schwer genehmigungsfähig sind. Netzanschüsse bleiben eine knappe Ressource – Grünstromspeicher können ihren Nutzen deutlich steigern.  


Chance 2: Erlösprofile von EE-Anlagen stabilisieren 

Mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien häufen sich Stunden mit niedrigen oder negativen Börsenpreisen. Besonders Solarparks leiden unter Marktwert-Kannibalisierung, wenn viele Anlagen gleichzeitig einspeisen.  

 

Ein Grünstromspeicher kann hier für Stabilität sorgen: 

  • Er verschiebt erzeugte Energie aus Zeiten mit niedrigen Preisen in Zeiträume mit höherer Zahlungsbereitschaft. 

  • Er erschließt zusätzliche Erlösoptionen im kurzfristigen Handel. 

  • Er reduziert Abregelungsrisiken und macht Ertragsverläufe planbarer.  


Seine Stärke liegt weniger darin, allein die höchsten Erlöse zu erzielen, sondern darin, das Erlösprofil des gesamten EE-Projekts zu stabilisieren – und damit zu einem wirksamen Instrument des Risikomanagements zu werden 

 

Chance 3: Finanzierbarkeit und Risikoprofil verbessern 

Für Banken und institutionelle Investoren zählen nicht nur absolute Erträge, sondern vor allem Stabilität und Vorhersehbarkeit der Zahlungsströme. 

 

Ein Grünstromspeicher kann die Finanzierbarkeit eines Projekts verbessern, indem er:

  • die Netzinfrastruktur effizienter nutzt und zusätzlichen Netzausbau begrenzt, 

  • Erlösströme glättet und besser an Stromlieferverträge (PPA-Strukturen) anpasst, 

  • das Projekt klar als systemdienlichen Baustein der Energiewende positioniert. 

 

Gerade in Portfolios mit hohem Anteil erneuerbarer Energien oder an Standorten mit engen Netzrestriktionen kann ein Grünstromspeicher damit ein zentrales Argument für Investitionsentscheidungen sein. 


Fazit: Grünstromspeicher als Chance im Gesamtsystem 

Der reine Vergleich der Speichererlöse spricht für den frei handelbaren Stand-Alone-Speicher. Wenn dies jedoch auf Grund von Vorgaben des Netzbetreibers nicht umsetzbar ist, oder ein EE-Standort um einen Speicher erweitert werden soll, bilden Grünstromspeicher eine spannende Alternative. 

 

Ein Grünstromspeicher kann sich demnach auch ohne Innovationsausschreibung lohnen – insbesondere dann, wenn: 

  • Netzanschlüsse knapp oder teuer sind und Co-Location mit Überbauung den vorhandenen Netzverknüpfungspunkt optimal ausnutzt, 

  • Erlöse aus erneuerbaren Energien gegen Marktwert-Einbrüche und Volatilität stabilisiert werden sollen,  

  • stabile Zahlungsströme und ein klares Finanzierungskonzept wichtiger sind als maximale Handelsfreiheit des Speichers. 

 

Zur Vertiefung  

Whitepaper „Co-Located-Speicherprojekte richtig vermarkten“

Konkrete Rechenbeispiele, Szenarienvergleiche (Stand-Alone vs. Co-Location vs. Grünstromspeicher) sowie detaillierte Analysen zu Erlöspotenzialen und Überbauungsgraden sind im Whitepaper „Co-Located-Speicherprojekte richtig vermarkten“ von suena energy zusammengestellt. 


Blick in die Praxis: Solar + Storage – Projekt Walshausen  

Gemeinsam mit Prokon hat suena energy bereits ein Grünstromspeicherprojekt umgesetzt – eines der ersten Projekte in Deutschland, das die wirtschaftliche und technische Integration von PV und Batteriespeicher vollständig automatisiert. Mehr dazu hier


Solarpark Walshausen
Solarpark Walshausen

 

 

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