Pilotprojekt in Hamburg: Hamburger Hochbahn AG und suena energy setzen erstmals neue Betriebsweise für urbane Batteriespeicher um
- Pia Armbruster

- 4. Nov.
- 3 Min. Lesezeit
Wie kann ein Energieprojekt gleichzeitig wirtschaftlich und klimafreundlich sein – und dabei das Stromnetz einer Großstadt entlasten? Diese Frage stand im Zentrum des Pilotprojekts von suena energy und der Hamburger Hochbahn AG. Gemeinsam wurde auf dem Busbetriebshof Alsterdorf erstmals ein stationärer Batteriespeicher so betrieben, dass er sowohl den Eigenverbrauch des Betriebshofs optimiert als auch aktiv am Strommarkt teilnimmt – ein Modell, das in dieser Form in Deutschland erstmalig umgesetzt wurde. Als die Hamburger Hochbahn AG suena energy mit der Vermarktung eines stationären Batteriespeichers am Busbetriebshof Alsterdorf beauftragte, wurde das Ziel angesetzt, Erlöse an Strom- und Regelleistungsmärkten zu maximieren und zu prüfen, wie sich Batteriespeicher an weiteren Standorten wirtschaftlich einsetzen lassen. suena energy fokussierte dabei einen innovativen Ansatz: eine kombinierte Multi-Market-Vermarktungsstrategie mit halbjährlichem Wechsel zwischen Front-of- und Behind-the-Meter-Betrieb (FtM/BtM) unter Einhaltung aller regulatorischer Vorgaben. Gesteuert wurde über den KI-basierten suena Energy Trading Autopilot.
Projektübersicht

Standort: Busbetriebshof Alsterdorf, Hamburg
Speichergröße: 4 MW / 4,6 MWh
Ziel: positiver Beitrag zur Netzstabilität und erhöhte Erlöse
Betriebsmodell:
September – Februar:
BtM für atypische Netznutzung
März – August:
FtM-Marktvermarktung durch suena energy
Hamburger Hochbahn AG – urbane Pioniere
Die Hamburger Hochbahn AG ist das zweitgrößte Nahverkehrsunternehmen in Deutschland. Mit einem modernen Netz aus U-Bahn- und Buslinien befördert sie täglich rund 1,3 Millionen Fahrgäste. Nachhaltigkeit und Innovation stehen im Zentrum ihrer Strategie – insbesondere durch emissionsfreie Busse, digitale Technologien und die neue vollautomatische U-Bahn-Linie U5, die als klimafreundlichste ihrer Art geplant ist.
Vom Speicher zur Erlösquelle – unsere Rolle
Von März bis August übernahm suena energy die exklusive Verantwortung für die wirtschaftliche Vermarktung des stationären Batteriespeichers.
Unser Fahrplan zur erfolgreichen Vermarktung:
Full-Service-Vermarktung auf Day-Ahead und Intraday-Markt
Bilanzkreismanagement und gesamte Marktkommunikation
Fernsteuerung des BESS auf Basis von Prognosen & Zeitplänen
Leistungsmonitoring & Dashboard-Datenbereitstellung Einhaltung gesetzlicher Vorgaben (u. a. REMIT, Redispatch 2.0)
"Ein besonders spannender Aspekt im Projekt: Wir haben zusammen mit den Hamburger Energienetzen eine Lösung entwickelt, die es dem Speicher erlaubt, zeitweise als FtM-System zu arbeiten – trotz physischem BtM-Anschluss." – Stefan Möws, Head of Operations bei suena energy.
Warum urbane Speicherlösungen jetzt entscheidend sind
Das Projekt adressiert zentrale Herausforderungen der Energiewende in urbanen Räumen:
Doppelte Nutzung: Netzentlastung + wirtschaftlicher Betrieb
Hohe Relevanz für urbane Betriebsstandorte: begrenzte Fläche & Netzkapazität
Praxisrelevante Erkenntnisse: technische Integration, regulatorische Integration, regulatorische Konformität, kombinierte Nutzungsszenarien
Komplexität im Doppelbetrieb
Der wirtschaftliche Betrieb stationärer Batteriespeicher ist mit einer Vielzahl technischer und regulatorischer Anforderugnen verbunden. In vielen Projekten fehlt es an standardisierten Mess- und Abrechnungssystemen. Auch die parallele Nutzung eines Speichers zur Netzstabilisierung und zur Marktvermarktung wirft komplexe regulatorische Fragen auf. Im konkreten Fall der Hamburger Hochbahn AG kam hinzu, dass der Speicher sowohl für die interne Lastspitzenkappung genutzt als auch extern vermarkt werden sollte. Diese Dualnutzung machte einen komplexes und unterjährig veränderbares Messkonzept erforderlich, das die beiden Betriebsarten zeitlich präzise und energiewirtschaftlich sauber voneinander trennte.
Der Schlüssel zur doppelten Nutzung
Die beiden Betriebsphasen des Speichers wurden im Vorfeld klar voneinander abgegrenzt. suena energy übernahm die alleinige wirtschaftliche Verantwortung während der Vermarktungsphase von März bis August. In diesem Zeitraum wurden die Kapazitäten der Anlagen durch den suena Energy Trading Autopilot wirtschaftlich optimiert auf dem Day-Ahead und Intraday-Markt gehandelt. Eine Besonderheit ist die zeitlich befristete FtM-Anbindung des Speichers. Dieser wurde durch die enge Kooperation mit den Hamburger Energienetzen realisiert und erlaubte die Teilnahme am Energiemarkt, obwohl der Speicher technisch als BtM-Anlage konfiguiert war. Die operative Kontrolle lag während der Nichtvermarktungsphase (September bis Februar) bei der Hamburger Hochbahn AG, die die Batterie zur internen Spitzenlastabdeckung nutzte. Dadruch entstand ein flexibles, doppelt nutzbares System, das regulatorisch konform und technisch effizient betrieben werden konnte.
Impact, der neue Standards setzt
Für die Hamburger Hochbahn AG bot das Projekt gleich mehrer strategische Vorteile. Zum einen lieferte es wertvolle Erfahrungen im Realtbetrieb eines stationären Batteriespeichers unter wechselnden Einsatzbedingungen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse flossen unmittelbar in die Planung neuer Betriebshöfe ein, bei denen zukünftig kleinere Netzanschlüsse vorgesehen werden könnten – ohne Einschränkung der Betriebssicherheit. Zum anderen leistete das Projekt durch die Integration in das KoLa-Forschungsvorhaben einen Beitrag zur Entwicklung zukunftsfähiger Technologien wie Vehicle-to-Grid oder bidirektionaler Netzanbindung.
Für suena energy bestätigte das Projekt die Wirksamkeit der eigenen Multi-Market-Strategie auch unter technischen Einschränkungen. Die klare zeitliche Trennung der Betriebsphasen, kombiniert mit automatisierten Steuerungs- und Vermarktungsprozessen, erlaubte eine flexible Nutzung des Speichers auf mehreren Energiemärkten. Gleichzeitig zeigte das Projekt, wie eine enge Abstimmung mit Netzbetreibern und Infrastrukturpartnern einen regulatorisch konformes und wirtschaftlich tragfähiges Betriebsmodell ermöglicht.

Blaupause für die urbane Energiewende
Durchdachte BtM-Lösungen mit temporärer FtM-Vermarktung und automatisierter Vermarktung ermöglichen maximale Wertschöpfung. Weitere Betriebshöfe der Hamburger Hochbahn AG sind in der Planung. Im Rahmen des KoLa-Projekts entsteht eine Koordinierungsplattform, die frühzeitig Netzengpässe erkennt und deren Vermeidung unterstützt. Ergänzend sorgt ein KI-basiertes Energie- und Lastmanagement dafür, dass betriebliche Lastgänge effizient mit Netz- und Marktanforderungen abgestimmt werden. Die strategische Kooperation zwsichen Hamburger Hochbahn AG, suena energy und Netzbetreibern, wird kontinuierlich ausgebaut.



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