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Marktverschiebung im Trading: Wie sich die Erlösstruktur von Batteriespeichern verändert

vor 4 Tagen
6 Min. Lesezeit

Extreme Preisausschläge, zunehmender Wettbewerb in den Regelenergiemärkten und eine wachsende Zahl von Batteriespeichern: 2026 zeigt deutlich, dass sich die Bedingungen für die Vermarktung von Batteriespeichern verändern. Dabei verschieben sich nicht nur die erzielbaren Erlöse, sondern auch die Märkte, auf denen Flexibilität den größten Wert erzielt.


Trading Grapen

Systemdienstleistungen bleiben zwar auch 2026 die wichtigste Erlösquelle für Batteriespeicher, aktuelle Backtests zeigen jedoch, dass sich die Gewichtung der einzelnen Erlösströme verschiebt. Insbesondere die Erlöse aus dem aFRR-Energy-Markt gehen infolge des zunehmenden Wettbewerbs und der stark gestiegenen präqualifizierten Batteriespeicherkapazitäten zurück. Gleichzeitig gewinnen die Spotmärkte – insbesondere der Day-Ahead-Markt – kontinuierlich an Bedeutung und kompensieren einen Teil dieses Rückgangs.

 

Die Verschiebung hat auch Konsequenzen für die Auslegung von Batteriespeichern. Je stärker Spotmarktstrategien an Bedeutung gewinnen, desto relevanter wird die Speicherdauer für das Erlöspotenzial.


Gesamterlöse steigen mit längerer Speicherdauer

Der Mehrwert zusätzlicher Speicherdauer hängt unmittelbar mit der veränderten Erlösstruktur zusammen. Je stärker Erlöse aus der reinen Leistungsvorhaltung unter Wettbewerbsdruck geraten und energieintensive Anwendungen wie Day-Ahead-Arbitrage relativ an Bedeutung gewinnen, desto wertvoller wird ein größerer Energiepuffer. Längere Speicher können Preisunterschiede über mehr Stunden nutzen und ihre Flexibilität breiter zwischen Spot- und Regelenergiemärkten verteilen.


Unsere Backtests für den Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 verdeutlichen, dass eine längere Speicherdauer die Wirtschaftlichkeit der Anlagen erhöht. Batteriespeicher mit drei oder vier Stunden Speicherdauer erzielen höhere Gesamterlöse als vergleichbare 2-Stunden-Systeme.


Im Vergleich zu einem 2-Stunden-System steigen die Gesamterlöse eines 3-Stunden-Speichers um 12,6 % auf 283,9 T€, während ein 4-Stunden-System mit 297,7 T€ einen Erlöszuwachs von 18,1 % erzielt. Damit fällt der Mehrwert zusätzlicher Speicherdauer etwas höher aus als im Jahr 2025 (+12,0 % bzw. +17,4 %).


Speicherdauer

Gesamterlös Juli 2025 – Juni 2026

Mehrerlös Juli 2025 – Juni 2026 ggü. 2 h

Mehrerlös 2025 ggü. 2 h

2 Stunden

252,0 T€

3 Stunden

283,9 T€

+12,6 %

+12,0 %

4 Stunden

297,7 T€

+18,1 %

+17,4%

Tabelle 1: Gesamterlöse und Mehrerlöse nach Speicherdauer*


Day-Ahead gewinnt an Bedeutung

Der Day-Ahead-Markt gewinnt für Batteriespeicher an Bedeutung, weil der Ausbau erneuerbarer Energien die Preisunterschiede im Tagesverlauf verstärkt. Besonders die wachsende Photovoltaik prägt dieses Preisprofil: Bereits 2025 stieg die Solarstromerzeugung in Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur von 63,2 TWh auf 74,1 TWh; gleichzeitig nahm die Zahl der Stunden mit negativen Großhandelspreisen von 457 auf 573 zu.


2026 setzt sich diese Entwicklung fort. Mit steigender PV-Erzeugung im Frühjahr traten längere Phasen sehr niedriger und negativer Preise rund um die Mittagsstunden auf. Wenn die Solarstromerzeugung am Abend zurückgeht, während die Nachfrage zunächst hoch bleibt, können die Preise dagegen wieder deutlich steigen. Wie groß diese Preisunterschiede ausfallen können, zeigte sich unter anderem am 1. Mai, als der Day-Ahead-Preis auf bis zu −499,99 €/MWh fiel.

 

Für Batteriespeicher entstehen dadurch zusätzliche Arbitragemöglichkeiten. Sie können Energie in Stunden mit niedrigen oder negativen Preisen aufnehmen und in Stunden mit höheren Preisen wieder abgeben. Von solchen mehrstündigen Preisfenstern profitieren 3- oder 4-Stunden-Batteriespeichersystem besonders. Sie können größere Energiemengen aus einem längeren Niedrigpreisfenster aufnehmen und über einen längeren Zeitraum verschieben als ein 2-Stunden-System und damit einen größeren Teil der verfügbaren Preisdifferenzen am Day-Ahead-Markt nutzen.

 

Diese Marktlogik zeigt sich auch in unseren Backtests*. Im Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 steigt der Anteil des Day-Ahead-Marktes am Gesamtumsatz mit zunehmender Speicherdauer deutlich:


  • 2-Stunden-System: 24,6 %

  • 3-Stunden-System: 29,5 %

  • 4-Stunden-System: 33,7 %


Gleichzeitig gewinnt der Spotmarkt auch im Zeitvergleich an Bedeutung. Im Vergleich zum Gesamtjahr 2025 steigen sie im rollierenden Betrachtungszeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 je nach Speichergröße um rund 6 bis 14 %. Dadurch kompensieren die Spotmärkte einen Teil der rückläufigen Erlöse aus aFRR Energy. Neben den höheren Erlösen im Day-Ahead-Markt trägt dazu auch eine veränderte Entwicklung im Continuous Intraday (IDC) bei.

 

Neue Dynamik in den Gesamterlösen

Die zunehmende Bedeutung der Spotmärkte zeigt die Dynamik am Strommarkt und das Momentum, neue Erlöspotenziale für Batteriespeicher zu erschließen. Im betrachteten Zeitraum gleichen diese Zuwächse den kurzfristigen Rückgang der Erlöse aus Systemdienstleistungen noch nicht vollständig aus. Die Gesamterlöse im rollierenden Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 liegen über alle Speicherdauern niedriger als die Erlöse im Jahr 2025.


Im rollierenden Vergleich liegen die Gesamterlöse um rund 9 % bis 10 % unter dem Niveau von 2025:


Speicherdauer

2025

Juli 2025-Juni 2026

Veränderung

2 Stunden

279,3 T€

252,0 T €

-9,8 %

3 Stunden

312,7 T€

283,9 T€

-9,2 %

4 Stunden

327,8 T€

297,7 T€

-9,2 %

Tabelle 2: Gesamterlöse nach Speicherdauer im Vergleich zu 2025*


Noch deutlicher wird die Umstellung im jüngeren Halbjahresvergleich: Zwischen dem ersten Halbjahr 2025 und dem ersten Halbjahr 2026 liegen die Gesamterlöse bei 2-Stunden-Systemen um 23,8 %, bei 3-Stunden-Systemen um 23,0 % und bei 4-Stunden-Systemen um 22,4 % niedriger. Dieser Vergleich reagiert schneller auf aktuelle Marktveränderungen als der rollierende Zwölfmonatswert, der noch erlösstärkere Monate aus dem zweiten Halbjahr 2025 enthält.


Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Neuordnung im aFRR-Energy-Markt.


aFFR Energy im veränderten Marktumfeld

Die größte Veränderung innerhalb der Erlösstruktur zeigt sich im aFRR-Energy-Markt. In diesem Echtzeit-Regelenergiemarkt werden präqualifizierte Flexibilitäten aktiviert, um kurzfristige Ungleichgewichte zwischen Stromerzeugung und -verbrauch auszugleichen und die Systemfrequenz zu stabilisieren. Mit der Skalierung des Batteriespeichermarktes wächst das Angebot an geeigneter Flexibilität deutlich: Allein die positive aFRR-Kapazität von Batteriespeichern stieg zwischen Januar 2025 und Januar 2026 von 0,56 GW auf 1,20 GW – ein Wachstum von rund 114 %. Auch bei negativer aFRR ist ein vergleichbarer Ausbau zu beobachten. Bei weitgehend konstantem Reservebedarf kann ein größeres Angebot den Wettbewerb intensivieren und den Erlöspool auf mehr präqualifizierte Leistung verteilen.  

 

Gleichzeitig schwanken Markt- und Strompreise naturgemäß unter anderem saisonal, wetterbedingt und durch einzelne Extremereignisse.

 

In dem kurzen Beobachtungszeitraum zwischen dem ersten Halbjahr 2025 und dem ersten Halbjahr 2026 liegen die Erlöse aus aFRR Energy über alle Speichergrößen hinweg rund 39 bis 41 % niedriger. Besonders ausgeprägt ist die Veränderung im Januar und Februar mit 40 bis 48 % sowie im Mai mit 25 bis 26 %.

 

Da sich dieses Muster über alle betrachteten Speicherdauern hinweg nahezu identisch zeigt, sprechen die Ergebnisse für marktweite saisonale und strukturelle Einflüsse – und weniger für einen Effekt einzelner Anlagenauslegungen.

 

Gleichzeitig bleiben die Regelenergiemärkte das größte Segment in der Vermarktung. Der gemeinsame Anteil von aFRR Capacity und aFRR Energy bildet im aktuellen Backtest weiterhin den größten Block der Erlösstruktur:


Speicherdauer

Anteil aFRR Capacity + aFRR Energy am Gesamterlös

2 Stunden

72 %

3 Stunden

68 %

4 Stunden

64 %

Tabelle 3: Anteil von aFRR Capacity und aFRR Energy am Gesamterlös*


aFRR Capacity stabilisiert die Erlösstruktur

Eine stabilisierende Rolle übernimmt der aFRR-Capacity-Markt: Im rollierenden Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 bleibt sein Erlösbeitrag gegenüber dem Gesamtjahr 2025 stabil und steigt laut Backtests je nach Speicherdauer um 0,1 bis 1,2 %. In diesem Regelreservemarkt wird die Vorhaltung automatischer Frequenzwiederherstellungsreserve (aFRR) ausgeschrieben und vergütet. Die Vergütung erfolgt für die Bereitstellung der Leistung, während die tatsächliche Aktivierung separat über den aFRR-Energy-Markt abgerechnet wird.


Die Stabilität des aggregierten Erlösbeitrags entsteht aus gegenläufigen Entwicklungen innerhalb des Marktsegments. Auf Jahresbasis – erstes Halbjahr 2026 gegenüber erstem Halbjahr 2025 – wird der niedrigere Erlös aus Cap+ durch einen Anstieg bei Cap− um 8,9 % weitgehend ausgeglichen.


Der Zuwachs bei Cap− ist dabei nicht auf ein höheres Preisniveau zurückzuführen: Die Marktpreise für negative aFRR Capacity lagen im ersten Quartal 2026 rund 10 % unter dem Niveau des Vorjahresquartals. Ausschlaggebend sind vielmehr Veränderungen der vermarkteten Volumina beziehungsweise der Aktivierungshäufigkeit. Das unterstreicht, dass die operative Marktallokation für den Erlösbeitrag an Bedeutung gewinnt.


Für die Einordnung ist es daher wichtig, Preisniveau und Erlösbeitrag getrennt zu betrachten. Im sequenziellen Vergleich des zweiten Halbjahres 2025 mit dem ersten Halbjahr 2026 entwickeln sich sowohl Cap+ als auch Cap− rückläufig – ein frühes Signal für den zunehmenden Wettbewerb. Zugleich zeigt die Jahresbetrachtung, dass sich unterschiedliche Produkte innerhalb des Segments teilweise ausgleichen können. Das spricht für eine aktive, differenzierte Steuerung auch innerhalb des aFRR-Marktes.


Fazit: Eine breitere Erlösbasis wird zum Wettbewerbsvorteil

Der Batteriespeichermarkt tritt in eine neue Reifephase ein: Systemdienstleistungsmärkte werden wettbewerbsintensiver, während der steigende Anteil wetterabhängiger Erzeugung größere zeitliche Preisunterschiede an den Spotmärkten schafft. Unsere Backtests zeigen, wie sich dadurch das Verhältnis der Erlöspotenziale verschiebt. Der Beitrag von aFRR Energy nimmt ab, während Day-Ahead und andere Spotmarktstrategien an Bedeutung gewinnen.

 

Gerade das Zusammenspiel der Märkte eröffnet zusätzliche Optimierungsmöglichkeiten. Steigen beispielsweise durch knappe Erzeugung die Opportunitätskosten am Spotmarkt, kann dies zugleich die Preise für Systemdienstleistungen erhöhen. Dieselbe Flexibilität wird damit laufend zwischen konkurrierenden Erlösmöglichkeiten neu bewertet.

 

Für die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern bedeutet diese Entwicklung, dass eine auf einzelne Erlösmärkte fokussierte Vermarktungsstrategie zunehmend an Robustheit verliert. Der zentrale Erfolgsfaktor liegt in der Fähigkeit, Multi-Markt-Strategien umzusetzen und Leistung und Energie kontinuierlich dort einzusetzen, wo sie den höchsten Wert erzielen. Längere Speicherdauern können dabei zusätzlichen wirtschaftlichen Wert schaffen, da sie mehr Flexibilität für die Nutzung volatiler Spotmärkte ermöglichen.


*Alle Backtests beziehen sich auf ein Graustrom Standalone Setup.

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